Retatrutid: 39 Glieder, drei Rezeptoren
29.09.2026
Retatrutid ist das längste Molekül dieses Katalogs und dasjenige, nach dem am häufigsten gesucht wird. Dieser Text sammelt die belegbaren Angaben: Kettenlänge, Masse, Identifikationsnummer und die vier Analysenberichte, die im Register dazu liegen.
Drei Rezeptoren statt einem
Retatrutid wird in der Stoffwechselforschung als Dreifachagonist geführt: In Modellsystemen bindet es an den GIP-, den GLP-1- und den Glukagonrezeptor. Das ist der Unterschied zu Tirzepatid, das in denselben Modellen an zwei dieser drei bindet. Mehr lässt sich in einem Satz nicht seriös zusammenfassen; den Rest ordnet der Vergleich Tirzepatid und Retatrutid ein.
Was daraus in einem Organismus folgt, ist Gegenstand laufender Forschung und gehört in die Fachliteratur, nicht auf die Seite eines Chemikalienlieferanten. Hier stehen die Angaben aus der Spezifikationstabelle.
39 Aminosäuren, 4731,42 g/mol
Die Sequenz umfasst 39 Aminosäuren. Die Summenformel lautet C₂₂₁H₃₄₂N₄₆O₆₈, das Molekulargewicht beträgt 4731,42 g/mol und die CAS-Nummer ist 2381089-83-2. Alle vier Angaben stehen auf der Produktseite.
Zum Vergleich: GHK-Cu kommt auf 403,93 g/mol, Semax auf 813,92. Retatrutid ist also rund zehnmal so schwer wie die kurzen Regulationspeptide dieses Katalogs.
Warum Länge im Preis landet
39 Glieder bedeuten 38 Kopplungsschritte in der Festphasensynthese. Jeder davon ist eine Gelegenheit für eine unvollständige Kopplung. Rechnet man mit neunundneunzig Prozent Ausbeute je Schritt, bleiben nach 38 Schritten noch gut zwei Drittel Zielmolekül übrig; der Rest muss abgetrennt werden.
Diese Abtrennung ist der eigentliche Aufwand. Sie erklärt den Abstand zu den kurzen Ketten im Preisvergleich weitgehend — nicht Marge, sondern Syntheseschritte.
Vier Berichte, alle über 99,8 Prozent
Im Zertifikatsregister liegen vier Analysenberichte zu dieser Substanz. Alle vier stammen aus 10-mg-Chargen, also aus derselben Abfüllgröße, die hier verkauft wird — das ist bei dieser Substanz der Fall, bei mehreren anderen nicht.
Alle vier nennen eine gemessene Reinheit von über 99,8 Prozent. Die Spezifikation lautet mindestens 98 Prozent, die Messwerte liegen also darüber. Bei einer Kette dieser Länge ist das bemerkenswert und lohnt den Blick ins Zertifikat selbst: Methode, Chargennummer, Datum und Labor stehen dort neben dem Wert.
Ein Wert wie „über 99,8 Prozent“ ist übrigens keine Rundung nach oben, sondern die Nachweisgrenze des Verfahrens: Oberhalb davon kann die HPLC nicht mehr unterscheiden, ob noch ein Rest da ist.
Reinheit ist nicht Peptidgehalt
Die beiden Angaben werden regelmäßig verwechselt. Die Reinheit sagt, welcher Anteil der erfassten Fläche im Chromatogramm auf die Zielsubstanz entfällt. Der Peptidgehalt sagt, welcher Anteil der Einwaage reines Peptid ist — und liegt wegen Gegenionen und Restfeuchte regelmäßig niedriger. Ein Vial mit 99,8 Prozent Reinheit enthält nicht 99,8 Prozent Peptid.
Was daraus für die eingewogene Masse folgt, steht ausführlich in Was wirklich im Vial ist.
Vor dem Ansetzen
Geliefert wird lyophilisiertes Pulver. Es geht mit bakteriostatischem Wasser in Lösung; welche Konzentration sich aus Vialmasse und Volumen ergibt, rechnet der Rekonstitutionsrechner aus.
Kurz zusammengefasst
39 Aminosäuren, 4731,42 g/mol, CAS 2381089-83-2, vier Analysenberichte aus der passenden Vialgröße, alle über der eigenen Spezifikation. Die übrigen Substanzen desselben Feldes stehen unter Stoffwechselforschung.
Häufige Fragen
Woran unterscheiden sich Retatrutid und Tirzepatid?
An der Zahl der Rezeptoren, an die sie in Modellsystemen binden: bei Tirzepatid GIP und GLP-1, bei Retatrutid zusätzlich der Glukagonrezeptor. Beide haben eine eigene CAS-Nummer und eigene Analysenberichte je Charge.
Wie schwer ist das Molekül?
4731,42 g/mol bei 39 Aminosäuren. Damit ist es das längste Molekül dieses Katalogs; die kurzen Regulationspeptide liegen um ein Zehntel davon.
Wie viele Analysenberichte liegen dazu vor?
Vier, alle aus 10-mg-Chargen und alle mit einer gemessenen Reinheit von über 99,8 Prozent. Sie sind ohne Konto im Zertifikatsregister einsehbar.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt.
Weitere Beiträge
- Was ist ein Forschungspeptid?
- Ein Analysenzertifikat lesen
- Forschungspeptide rekonstituieren
- Alle Wissensbeiträge im Überblick
Wie dieser Beitrag entsteht, worauf er sich stützt und welche Angaben hier bewusst fehlen, steht unter Redaktion und Quellen.