Ein Analysenzertifikat lesen
17.09.2026
Ein Analysenzertifikat, kurz COA, ist der Prüfbericht eines Labors zu einer bestimmten Produktion. Wer weiß, welche Felder darin stehen müssen, erkennt in einer Minute, ob ein Dokument etwas belegt oder nur gut aussieht.
Das wichtigste Feld ist die Chargennummer
Ein Zertifikat gilt immer für eine Charge, nie für ein Produkt im Allgemeinen. Steht auf dem Vial die Nummer 2025297 und auf dem Dokument dieselbe, gehören beide zusammen. Fehlt die Nummer auf einem der beiden, ist die Verbindung nicht herstellbar und das Dokument belegt für dieses Vial nichts.
Deshalb ist ein einzelnes, dauerhaft verlinktes Musterzertifikat weniger wert als eine vollständige Sammlung. In der COA-Bibliothek lässt sich nach Substanz, Charge und Labor filtern; jedes Produkt verweist auf die Zertifikate seiner eigenen Chargen.
Methode und Messwert gehören zusammen
Eine Reinheit von 99,1 Prozent ohne Angabe der Methode ist eine Zahl ohne Bedeutung. Üblich sind zwei Verfahren nebeneinander:
- HPLC trennt die Bestandteile der Probe über eine Säule auf. Der Anteil der Fläche unter dem Zielpeak an der Gesamtfläche ergibt den Reinheitswert in Prozent.
- Massenspektrometrie bestimmt die Molekülmasse. Stimmt sie mit der aus der Sequenz berechneten Masse überein, ist es die erwartete Substanz und nicht eine ähnliche.
HPLC beantwortet also, wie sauber die Probe ist, Massenspektrometrie, ob es das Richtige ist. Erst zusammen ergeben sie eine Aussage.
Prüflabor, Datum und Unterschrift
Ein Bericht nennt das Labor, das gemessen hat, und das Datum der Analyse. Ein unabhängiges Labor ist aussagekräftiger als eine Selbstauskunft des Herstellers. Das Datum verrät zugleich, wie alt die Charge ist.
Die in der Bibliothek veröffentlichten Berichte stammen aus unabhängigen Prüflaboren in der EU. Sichtbar sind Substanz, Vialgröße, Charge, Analysedatum, Reinheit und Labor — alles ohne Konto einsehbar.
Was zusätzlich auftauchen kann
- Trocknungsverlust. Wie viel Restfeuchte im Lyophilisat steckt. Wichtig, weil Wasser mitgewogen wird.
- Peptidgehalt. Der Anteil des reinen Peptids an der Einwaage. Er kann niedriger sein als die Reinheit, weil Salze und Gegenionen mitwiegen.
- Mannitol. Ein Füllstoff, der das Lyophilisat stabilisiert. Steht er im Bericht, gehört ein Teil der Masse im Vial zu ihm.
Die Bibliothek kennzeichnet Chargen mit Mannitol eigens, weil die Angabe sonst leicht übersehen wird.
Drei Warnzeichen
- Das Dokument nennt keine Charge oder eine, die nicht auf dem Vial steht.
- Es steht ein Reinheitswert da, aber keine Methode und kein Labor.
- Für jede Substanz existiert genau ein Zertifikat, das seit Jahren dasselbe ist.
Häufige Fragen
Warum unterscheidet sich der gemessene Wert von der Spezifikation?
Die Spezifikation ist die Untergrenze, die zugesichert wird. Der gemessene Wert ist das Ergebnis einer konkreten Analyse und liegt in der Regel darüber.
Was bedeutet Mannitol im Zertifikat?
Mannitol ist ein Füllstoff, der beim Gefriertrocknen für ein stabiles Lyophilisat sorgt. Ein Teil der Masse im Vial entfällt dann auf ihn und nicht auf das Peptid.
Kann ein Zertifikat gefälscht sein?
Ein PDF lässt sich verändern. Belastbarer wird die Sache, wenn viele Zertifikate verschiedener Chargen über einen längeren Zeitraum offen einsehbar sind und Labor sowie Analysedatum nachvollziehbar wechseln.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt.